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Sittensener Schülerinnen und Schüler erarbeiteten Text für „Geschichts- und Erinnerungstafel“


Wer den Friedhof in Sittensen betritt, dem wird die neue „Geschichts- und Erinnerungstafel“ am Eingangsbereich auffallen. Am bundesdeutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist sie eingeweiht worden. Ihr Text ist von der Geschichtsklasse 11b der örtlichen KGS erarbeitetet worden.

Im Unterricht beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler von Geschichtslehrer Niklas Klöfkorn über Monate intensiv mit dem Projekt, an dem die evangelische Kirchengemeinde Sittensen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK) mitwirken und das die Sparkassenstiftung unterstützte. In der Feierstunde auf dem Friedhof schilderten Sprecher der Klasse die umfangreichen Recherchen, die ergreifende Geschichten hervorgebracht hätten. Gespräche mit Zeitzeugen seien dabei ein zentraler Bestandteil des Projektes gewesen: „Wir haben wichtige Erkenntnisse gewinnen können. Es ging dabei teilweise sehr emotional zu.“ Zu hören, was sich damals ereignet habe, sei bedrückend gewesen und werde die Beteiligten noch lange beschäftigen.

Das Ergebnis der Recherchen ist die Tafel, die nicht nur an die Toten erinnern, sondern auch mahnen soll. Auf dem Sittensener Friedhof ruhen, an unterschiedlichen Stellen, 14 Tote aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Sie wurden überwiegend als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter oder als Kriegsgefangene in der heutigen Samtgemeinde eingesetzt. Besonders bedrückend: Es finden sich dort auch die Gräber von drei Kindern von Zwangsarbeiterinnen.

„Diese Toten möchten wir ihre Stimmen wiedergeben“, erläuterten die Schüler das Ziel ihrer Arbeit. Für sie sei wichtig: „Die schlimmen Taten der Vergangenheit dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Erinnerungskultur muss erhalten werden. Uns liegt es am Herzen, für einen besseren Zugang und mehr Verständnis zu sorgen.“ Dieser Aufgabe hätten sich die Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement angenommen, freute sich ihr Lehrer Niklas Klöfkorn.

Beeindruckt zeigten sich auch die Teilnehmer der Feierstunde. Karl-Friedrich Boese sprach von einem würdigen Andenken an die Bestatteten. Der Bildungsreferent des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge wies darauf hin: Auch in der Provinz gab es Krieg und wurde gemordet. Erinnern sei wichtig: „Frieden und Freiheit sind nicht selbstverständlich“.

Pastor Sven Kahrs freute sich wie der stellvertretende Landrat Hans-Jürgen Krahn über das Engagement der Jugendlichen. Die Klasse habe damit ein „starkes Zeichen gesetzt“ und Geschichte, die aus Namen und Schicksalen bestehe, gelebt, lobte der Sottrumer Kommunalpolitiker. Erinnern sei notwendig, damit sie sich nicht wiederhole. Auch Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller dankte allen Beteiligten für das Gelingen des Vorhabens. Es beweise, was eine gute Zusammenarbeit möglich machen könne. „Hier ist etwas Wertvolles für alle Menschen geschaffen worden“, sagte Keller. Die Tafel sei ein Hinweis dafür, was passieren könne, wenn man Hass freien Lauf lasse. Die Nationalsozialisten, erinnerte der Bürgermeister, seien 1933 durch Wahlen legal an die Macht gekommen. Keller warnte: „Das darf nicht noch mal passieren“. Es sei Bürgerpflicht, Verantwortung für Frieden und Freiheit und Demokratie zu übernehmen.

Zu den Gästen der Einweihungsfeier gehörten neben interessierten Bürgern der Samtgemeinde auch Vertreter des Heimatvereins Sittensen sowie der der Ostetalschule Sven Evers. Aus Sandbostel war der Leiter der dortigen Lagergedenkstätte, Andreas Ehresmann, zu der Feierstunde erschienen. Sie endete damit, dass die Schülerinnen und Schüler an den elf Gräbern auf der größten Grabstelle Grablichter aufstellten. Ebenso an den Gräbern zweier Deutscher, die im Ersten Weltkrieg starben, und am Grab eines deutschen Flüchtlingskindes aus Stettin. Zu Abschluss gedachten die Anwesenden den Toten mit einer Gedenkminute.