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„Die Stimme der Nacht“ entsteht…

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„Eine Begegnung mit Ensemblemitgliedern am Freitag vor der Premiere


Seit einigen Tagen hängen traumhaft schöne Plakate mit ziemlich kryptischen Zitaten im ganzen Haus - „Die Stimme der Nacht“ liest man darauf. In der Aula stehen schon Stühle, die Bühne ist abgesperrt. Was liegt an? Schon die Entlassungsfeierlichkeiten? Nein! Das Theater-Highlight 2026 in Sittensen, nämlich die Abschlussarbeit des Ensembles Darstellendes Spiel Abi27.
Ich treffe Leni, Luna, Ida und Jannes aus dem Ensemble am Freitag vor ihrem großen Auftritt am folgenden Montag. Für das Gespräch haben sie sich extra vom Unterricht befreien lassen. So wichtig ist es ihnen, davon zu berichten, worum es geht. Sie sagen, Darstellendes Spiel sei ein „Ausdrucksfach“, das für sie in den fast zwei Jahren zu viel mehr geworden sei als die Alternative zu Musik und Kunst. Je mehr Erfahrungen sie im Unterricht gesammelt hätten, desto mehr hätten sie ihre kreativen Potentiale, auch ihr kreatives Miteinander entdeckt. Sie seien, da sind sich die vier jungen Menschen einig, alle über sich hinausgewachsen. Habe man sich zunächst kaum getraut, etwas darzustellen, sich irgendwie vor anderen gewissermaßen zum Affen zu machen, hätten sie an Selbstbewusstsein gewonnen und seien immer sicherer geworden, in einer Rolle zu performen. Das werde bleiben: die Erfahrung, sich etwas vor anderen und mit anderen zu trauen, auch wenn man später vielleicht nicht mehr Theater spielen werde.

Aber wie ist das mehr als zwanzigköpfige Ensemble nun zu einem Stück mit dem Titel „Die Stimme der Nacht“ gekommen? Das Thema sei zwar von der Regie vorgegeben worden, auch einige Texte und weitere Schlagworte hätten sie erhalten, um spielerisch zu entwickeln, was ihnen mit den Mitteln des Darstellenden Spiels, die sie im elften Jahrgang erlernt hätten, einfallen würde. Viel Herzblut hätten sie in ein vielfältiges Sammelsurium individueller Szenen gesteckt, die mal große Gefühle, mal einsame Momente ins Zentrum stellten. Erst später seien sie vor die Herausforderung gestellt worden, die Szenen dramaturgisch und darstellerisch klarer zu strukturieren und sich zu fragen, wie sie in einer Collage zusammenpassten. Wenn aus teils sehr persönlichen Augenblicken, in die man viele Emotionen, persönliche Erfahrungen und noch mehr Energie investiert hat, ein Panorama der Nacht geformt werden soll, bleiben Konflikte nicht aus. Auch mal heftig sei man auf der Suche nach der besten künstlerischen Lösung aneinandergeraten: im kreativen Konflikt zwischen so engagierten wie vielstimmigen jungen Akteur:innen und erfahrener Regie sei aber letztlich eine hart umkämpfte Bühnenfassung entstanden, auf die alle stolz seien. Die kreative Auseinandersetzung habe sich gelohnt, da ist sich das Ensemble einig. Ernster merken sie hingegen an, dass dem offenen kreativen Diskurs der schulische Aspekt der Notengebung im Wege stehe, da die Sorge mitschwinge, Widerspruch oder Standhaftigkeit könnten sich am Ende doch negativ auswirken. Dass das unterm Strich so nicht sei, dass es der Regie um die Förderung kreativen Selbstbewusstseins gehe, sei allen inzwischen zwar klar - aber Schule bleibe eben doch ein System von Rollenunterschieden und Machtstrukturen. Das, so der Verfasser, könne man durchaus kritisch reflektiert auch bedauern.

Und was erwartet nun das Publikum? Nichts weniger als Facetten der Nacht, collagierte Szenen, die teils sehr persönlich sind, in die viel Energie und kritische Reflexion geflossen seien. Die Szenen spiegelten die Vielfalt aller Beteiligten wider, darin ist sich das Ensemble einig. Den Zuschauer:innen - Kids aus den Jahrgängen zehn bis zwölf, Eltern und allen interessierten Menschen aus der Samtgemeinde und darüber hinaus - gibt das Quartett auf den Weg, vielleicht den sorgfältig gestalteten Programm-Flyer zu lesen, der die Szenen-Titel anführt und einige kurze Gedanken zum Inhalt ergänzt. Noch wichtiger aber sei es, sich für die emotionale Wucht und feinsinnigen Schattierungen, für die Stimmen und Bilder zu öffnen. Manchmal gehe es auch gar nicht darum, etwas zu verstehen, vielmehr die Szene auf sich wirken zu lassen und etwas zu empfinden. Depression, sexuelle Gewalt, verzweifelte Liebe, Träume, Einsamkeit - die Themen und Emotionen sind teils ziemlich heavy und wechseln schnell. Unter dem Titel „Die Stimme der Nacht“ versammelt die Collage insofern sehr unterschiedliche Szenen und Themen. Daher wünschen sich die Vier (stellvertretend für das EnsembleAbi27), dass sich die Zuschauer:innen für Klang und Bild, Text und Ton, Licht und Bewegung öffnen, sich berühren lassen von der Vielfalt der Nacht. - Und von der Energie dieser Kids, die wirklich verdammt viel zu sagen und noch viel mehr im Darstellenden Spiel zu zeigen haben.

Vielen herzlichen Dank: Leni, Luna, Ida, Jannes (Abi27)